Tiermedizin – der einsame Stubenvogel

Juli 22nd, 2012 Categories: Allgemein

Stubenvögel brauchen soziale Partner

StubenvögelIn Deutschland besitzen mehr als neun Millionen Haushalte einen Vogel als Heimtier. Da flattern Zierfinken und Kanarienvögel, Wellensittiche und große Papageien durch die Wohnung und verbringen die meiste Zeit in ihrem Käfig, fern ab ihrer Grundbedürfnisse. Nicht nur, dass sie außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes Ihr Dasein fristen, die meisten werden einzeln gehalten und haben als einzigen sozialen Kontakt den Menschen. Dieser wird zwar ersatzweise zum Partner, ersetzt aber keineswegs den gegengeschlechtlichen Lebenspartner, den der Vogel in der freien Natur so liebt. Ob der Balzgesang des Kanarienvogels oder das liebevolle, werbende Füttern des Wellensittichs, genau wie die Kunst des Papageis, zu imitieren, all das kann der Mensch dem Stubenvogel nicht ersetzen. Vorteile aus diesem Zusammenleben zieht einzig und allein der Mensch. Wahrscheinlich singt der Kanarienvogel einzeln gehalten viel öfter und der Wellensittich wird genau wie der Graupapagei schneller zahm, da sie alle Aufmerksamkeit auf den Menschen leiten, weil einfach keine andere Möglichkeit für soziale Kontakte besteht. Da die meisten Vögel auf Dauer nicht damit glücklich sind, allein zu leben, werden viele seelisch oder physisch krank. Das merkt man besonders schnell bei Sittichen und Papageien, die sehr gern das Gefieder des Partners pflegen. Können sie dieses Bedürfnis nicht stillen, wandelt sich die Gefiederpflege in den Akt der Selbstzerstörung um – sie rupfen sich die eigenen Federn aus und fügen sich oft Wunden dabei zu. Aus einem prachtvollen Vogel in herrlichen Farben wird so schnell ein kranker, gerupfter Vogel im stumpf glanzlosen Federkleid.

Spiegel und Spielzeug als Ersatz für den Partner

Damit sich der Stubenvogel wohl fühlt, wird der Käfig oft mit abwechslungsreichem Spielzeug ausgestattet, und oft hängt darin auch ein Spiegel. So, meinen die Menschen, ist der Vogel nie allein. Doch der Spiegel löst oft ein aggressives Verhalten aus. Was für uns wie lustiges Spielen aussieht, ist für den Vogel absoluter Stress, denn der vermeintliche Partner im Spiegel reagiert nicht, lässt sich nicht füttern und pflegen. Es dauert nicht lange, und der Wellensittich erbricht ständig Futter vor dem Spiegel, das werbende Füttern wird nicht erwidert und lässt den armen Vogel verzweifeln. Der Tierarzt kann den Vogel natürlich untersuchen und behandeln, doch neben einer medizinischen Versorgung ist eine Änderung der Haltungsbedingungen unverzichtbar. Außer einer guten und abwechslungsreichen Ernährung benötigen Wellensittiche einen großen Käfig, der zumindest Flugbewegungen erlaubt. Ein ruhiger Standort, Kletter- und Spielmöglichkeiten sind ideal, vielleicht einige Obstbaumzweige und eine Möglichkeit zum Baden. Täglich mindestens eine Stunde sollte man als Mensch intensiven Kontakt zum Stubenvogel pflegen, Ansprache und Körperkontakt sind wichtig. All das, und wird es noch so gut ausgeführt, kann einem Stubenvogel jedoch nicht die Artgenossen ersetzen. Viel besser ist ein artenentsprechender Partner, und das möglichst von Anfang an. Gerade bei Papageien ist eine nachträgliche Zusammenführung oft schwierig, nicht jeder Partner wird sofort akzeptiert! Wenn Sie sich mit dem Gedanken beschäftigen, sich einen Stubenvogel anzuschaffen, dann informieren Sie sich ausführlich, was Ihr kleiner Gefährte alles braucht, um ein Leben lang glücklich und zufrieden zu sein. Es ist tausend mal schöner, ein glückliches Wellensittich-Pärchen zu beobachten, als einen einsamen einzelnen, dafür aber zahmen Wellensittich zu unterhalten.

Bildquellenangabe: Theodora Kessoglou  / pixelio.de
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